in der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

– Mein erstes Jahr –

im Damenkomitee St. Josef

Die Karnevalssitzung des Damenkomitees der kfd St. Josef war für mich viele Jahre eine Dauerbelastung der Lachmuskulatur. Folglich freute es mich, als meine damals 13jährige Tochter 2015 auf eine Werbung des Damenkomitees um junge Mitglieder ansprang. Mit Spaß an der Freud verfolgte ich mit mütterlicher Distanz ein paar Jahre die Vorbereitungen und vor allem die Bühnenauftritte des Nachwuchses: sieben neue Mädels tanzten als jüngste Mitglieder auf der Bühne. Das harmonische Miteinander dieser tollen Frauentruppe beeindruckte mich: eine große Bandbreite an Talenten, Courage, Humor unterschiedlichen Alters. Die Generationen zwischen 16 und 90 Jahren standen zusammen als EIN Damenkomitee auf der Bühne!

2018 bekamen auch wir Mütter, deren Töchter ins Damenkomitee eingetreten waren, das Angebot der Mitgliedschaft. Neben ganz viel Lust und Freude auf das Mitmachen, kamen aber auch die inneren Bedenkenträger: du hast keine Zeit; du kannst nicht nähen oder singen… . So kam mir das „Probejahr der Mitgliedschaft“ auch sehr entgegen. Dass das Damenkomitee keine Grenzen kennt, zeigt nicht nur meine Aufnahme aus der „Helau-Region“ Niederrhein (aber 20 Jahre Beuel haben mich ziemlich geprägt), sondern auch die gleichzeitige Aufnahme unserer Martina, die mit sächsischem Akzent den ein oder anderen Knaller auf der Bühne bringt. 

Bevor wir vier Neuen Karnevalsluft in UNSEREM Damenkomitee schnupperten, brauchten wir unser Outfit mit Röckchen, Jöppchen, Häubchen, Schiffchen und natürlich „dr Löffel met ner Botz“. Und dann ging es ab dem 11.11.2018 richtig los, denn „wir waren Wäscherprinzessin“! Unsere Lieblichkeit Ariane I kam aus unserem Damenkomitee!! Also keine Gnade für Wade und den Terminkalender: die Wäscherprinzessin durfte nicht ohne ihren Hofstaat reisen. Wir Neuen lernten schnell, was so eine Lieblichkeit für Vorlieben hat – ohne Essen und Trinken lief natürlich nichts. Wir umsorgenden Komiteefrauen hatten von unseren frechen und pfiffigen Mädels ruckzuck den Spitznamen „Tuppi-Mutti“.

Von Auftritt zu Auftritt ging es mit unseren zuverlässigen und umsorgenden Fahrern Kalle, Sebastian und Gereon und der jeder Lage gewachsenen Obermöhn Ina. Für jede Situation gab es eine Lösung, wie z.B. mal eben schnell eine neue Strumpfhose für die Obermöhn kaufen oder eine Spontantour mit den Beueler Stadtsoldaten nach Essen. Wer denkt, dass sich die Komiteeschwestern zwischen den Auftritten erholen wollten – oh nein. Je oller je doller: während der Autofahrt liefen die besten Karnevalskracher und der ein oder andere Fahrer im Wagen hinter uns glaubte vermutlich eher an Schwindelanfälle seinerseits als an die Möglichkeit eines schunkelnden Autos vor sich. 

Beim Beueler Zug und dem Rathaussturm war mit den Jecken auch die Sonne in Hochform. Es waren eher die Schweiß- statt die Regentropfen die unter unseren Perücken zu Fuß, auf dem Wagen oder auf unseren speziellen „Pferden“, den hotte-hü- Cyclettes hervorkamen. 

Je näher das Großereignis „Sitzung“ rückte, desto spannender wurde es. In der Vorbereitung habe ich erfahren, dass mit mir mi Damenkomitee Dinge passieren, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich war noch nie mit meiner Nähmaschine ein Herz und eine Seele. Aber beim Basteln der Orden habe ich diese entstaubt. Für die wahren Herausforderungen gibt es bei den Komiteeschwestern große Talente. Natürlich wurde auch ein Foto beim Ordenbasteln geknipst. Aber als ich dieses Foto Wochen später in der Zeitung sah, merkte ich mal wieder, nichts ist unmöglich in diesem Damenkomitee: ich mit Nähmaschine in der Zeitung. 

Dann kam DER TAG: unsere Damensitzung an Karnevalssamstag. Viel Zuspruch und Unterstützung erfuhren wir Neuen von unserer Präsidentin Bitti Mohn und den Damenkomiteeschwestern. Zum Glück war die Generalprobe noch holprig, so dass bei der Sitzung das meiste glatt lief. Auf der Bühne hatten wir die Möglichkeit mal Charaktere zu sein, die wir im Alltag verpassen: wer will nicht mal poetisch wie Goethe oder attraktiv wie Edith Piaf sein? Auch der Kampf ums freie Klo im Westerwaldstern gehörte bis dato noch nicht zu meinen Lebenserfahrungen. Und unser tolles Publikum machte wunderbar mit!

Falsch gedacht, wer meint, im Damenkomitee sind die Frauen nur in der Session aktiv: so war der Komiteeausflug 2019 die Fahrt nach Mirecourt anlässlich des 50jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Mirecourt-Beuel. Drei große Busse mit dem Partnerschaftskomitee, mit Mitarbeitern der Bezirksvertretung, dem Bezirksbürgermeister und anderen Beueler Vereinen machten sich vom 21.-23.Juni 2019 auf in die Vogesen. Der Karneval verbindet auch beide Städte: nicht nur, dass zu Karneval eine Delegation aus Mirecourt in Beuel mitfeiert, sondern auch 1968 und 1994 kam die Wäscherprinzessin Lucy I. aus Mirecourt. Die Freunde aus Mirecourt hatten für uns ein buntes Programm mit verschiedenen Besichtigungen und Wanderungen auf die Beine gestellt. Highlight war der bunte Abend am Samstag mit einem vielfältigen Bühnenprogramm aus Mirecourt und Beuel. Auch wir gaben unsere „Frankreich, Frankreich“ Nummer mit Napoleon, jecken Franzosen und Rheinländern zum Besten und steckten Lucy I. in die Hauptrolle, was sie mir Bravour meisterte. 
Dass der Beginn der Partnerschaft eine mutige Kontaktaufnahme des Mirecourter Pastors an seinen Kollegen in Schwarzrheindorf nach dem zweiten Weltkrieg war, betonte der deutsch-französische Gottesdienst am Sonntag. Frieden und Freiheit machen solch eine Städtepartnerschaft erst möglich.

So können wir „Neuen“ auf ein aufregendes und sehr bewegtes erstes Jahr im Damenkomitee zurückblicken. Ich freue mich auf weitere Jahre mit „de jecke Wiever vom Damenkomitee der kfd St. Josef“ und wünsche mir, dass der Beueler Karneval in Toleranz der jecken Vielfalt die Menschen verbindet und ein Gemeinschaftsgefühl für unser Beuel unterstützt, denn „mir sin all de Jecke vom Beuel am Rhing“.

Ulrike Rötten